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August 15th, 2012 by Leo Plaw Zulassung 

Pietzsch Sammlung verdrängt Alten Meister aus der Gemäldegalerie

Old Masters vs Pietzsch Collection

Old Masters vs Pietzsch Collection

Das Sammlerehepaar Ulla und Heiner Pietzsch hat dem Land Berlin seine Sammlung vertraglich zugesagt – vorausgesetzt, sie wird dauerhaft gezeigt. Die Sammlung Pietzsch umfasst insgesamt rund 150 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen mit einem Schätzwert von derzeit rund 120 Mio. Euro. Unter dem Titel „Bilderträume“ war die umfangreiche Kunstsammlung des Berliner Ehepaares Ulla und Heiner Pietzsch in 2009/2010 in er Neuen Nationalgalerie zu sehen. Schwerpunkt der Sammlung Pietzsch sind Werke des Surrealismus und Abstrakten Expressionismus, unter anderem von Max Ernst, René Magritte, Joan Miró, Salvador Dalí, Frida Kahlo, Jackson Pollock und Mark Rothko. Die Ausstellung zog innerhalb von sieben Monaten fast 200 000 Menschen an.

Das Ehepaar Pietzsch haben im Dezember 2010 mit dem Land Berlin einen Schenkungsvertrag über die Sammlung unterzeichnet. An den Schenkungsvertrag war die Bedingung geknüpft, dass Berlin die Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Dauerleihgabe überlässt und die Stiftung eine dauerhafte Präsentation von Teilen der Sammlung im Kontext ihrer Sammlung zur Klassischen Moderne gewährleistet.

Heiner Pietzsch erklärte damals anlässlich der Vertragunterzeichnung:
Meine Frau und ich sind glücklich darüber, dass damit der erste und ein entscheidender Schritt getan ist, damit unsere Surrealismus-Sammlung auf Dauer in Berlin in der Nationalgalerie bleibt. Wir wissen, dass wir damit eine schmerzliche Lücke in dem Bestand der Nationalgalerie schließen können und hoffen nun sehr, dass die Pläne der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Räume zu schaffen, die es ermöglichen, einen signifikanten Teil unserer Sammlung eines Tages ständig zeigen zu können, realisiert werden.

Das ewig klamme Berlin bekommt vom Bund 10 Millionen Euro, um die Präsentation der Sammlung Pietzsch zu gewährleisten. Eigentlich eine freudige Nachricht, doch ab da gerät einiges aus den Fugen. Die Alten Meister aus der Gemäldegalerie wandern vorübergehend ins Bode-Museum auf die Museumsinsel. Dafür kann die Sammlung Pietzsch in die dann freie und umgestaltete Gemäldegalerie einziehen. Zusammen mit der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Neuen Nationalgalerie soll daraus einmal das Museum des 20. Jahrhunderts entstehen.

Die Umgestaltung der Gemäldegalerie zieht die Neuordnung der Berliner Museumslandschaft nach sich, so sollen die Alten Meister aus der Gemäldegalerie vorübergehend ins Bode-Museum kommen und zusammen mit den Skulpturen präsentiert werden. Lediglich 500 Alter Meister Gemälde dürfen sich auf eine unbestimmte Zeit, mindestens jedoch 6 Jahre – bis ein noch nicht geplanter Neubau fertig gestellt sein wird mit einem zusammengeschmolzenen Part der Skulpturen dort drängen. Den anderen ist ein unbestimmtes Schicksal bestimmt: Niemand weiß, wo und wie und mit welchen Kosten die restlichen 500 der oberen Galerie, der Studiengalerie und des Depots der Altmeistersammlung gelagert werden sollen. In der gegenwärtig angespannten politischen und wirtschaftlichen Situation, und angesichts des harten Wettbewerbs um die Bereitstellung von Geldmitteln mit politisch zwar zweckdienlichen, kulturpolitisch jedoch zweifelhaften Plänen zum Wiederaufbau des Stadtschlosses, befürchten wir, dass aus sechs Jahren sehr leicht zehn oder mehr werden könnten.

Es ist eine Tragödie, wenn dafür die Räumlichkeiten der Gemäldegalerie auf Kosten ihrer weltberühmten und bedeutenden Sammlung Alter Meister geopfert würden, ohne zugleich konkrete Pläne für einen alternativen Ausstellungsort für das gesamte Ensemble der Gemälde des Europäischen Mittelalters und der Renaissance vorzulegen. Die gegenwärtigen Pläne offenbaren, dass wieder einmal die Vergangenheit der Gegenwart weichen soll, ohne dass dabei ihrer Zukunft ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre.

Das Link zur die Gemäldegalerie Online-Petition.

Quellen

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