Share: 

Oktober 11th, 2010 by Leo Plaw

Ernst Fuchs Apokalypse Kapelle feierlich geöffnet

Ernst Fuchs Apocalypse Chapel

Ernst Fuchs Apocalypse Chapel

20 Jahre lang hat Ernst Fuchs an der “Apokalypse Kapelle” in der Stadtpfarrkirche St. Egid in Klagenfurt gearbeitet. Nun ist sie fertig geworden. Und Klagenfurt um eine schaurig-schöne Attraktion reicher. Mit einem Festakt wurde die Fertigstellung gefeiert.

Ab 1989 verbrachte Fuchs zwei bis drei Monate im Jahr, um ein weit größeres Projekt in Angriff zu nehmen, sein “Hauptwerk”, wie er später sagen wird. In der zur Werktagskapelle umfunktionierten Südsakristei von St. Egid fand Fuchs den passenden Rahmen für seine apokalyptischen Vorstellungen – allesamt bildgewaltige Visionen, die der Künstler aufs Engste mit seiner Existenz verknüpfte. “Für beide Bilder habe ich mir vorbehalten, dass ich sie vollenden werde und damit auch mein Leben beschließe; beziehungsweise ein neues Leben beginne. Denn es gibt keinen Tod“, sagte Fuchs anlässlich seines 80. Geburtstages über Bedeutung und Zusammenhang der beiden Malereien.

Nun, wenige Monate später, ist auch sein Kärntner Werk vollendet. Rund 160 Quadratmeter Ölmalerei stürzen seit der bischöflichen Segnung auf den Betrachter herein, gewähren schaurig-schöne Blicke in eine “Welt hinter dem Spiegel, in das Unbewusste und Archetypische, in die sublimen Zwischenräume und Abgründe der menschlichen Seele“, wie es Kärntner Theologe Karl Woschitz einmal formulierte.

Vor über 20 Jahren Woschitz, Ernst Fuchs in Israel auf den Plan, eine Kapelle gestalten zu wollen, aufmerksam gemacht bzw. ihn darum gebeten haben.

Hochdramatisch erzählt der Künstler in lasierender Eitempera-Technik vom großen Finale der Welt, von Gericht und Erlösung. Berührungsängste gegenüber theatralischen Gesten oder bühnenbildhaftem Dekor hat er dabei keine. Im Gegenteil. Wie Fuchs schon 1966 in seinem Buch “Architectura Caelestis” klarstellte, ist das Ziel seiner Malerei “all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben”. Und so wimmelt es in seiner Kapelle, die gleich neben dem Altar seine Büste zeigt, nur so vor kunterbunten Figuren, vertrauten wie unerwarteten.

Die Bildkomposition der Werktagskapelle umfaßt mit Ausnahme der Opferung Isaaks (Westwand) die Grundthemen der Apokalypse. Prof. Ernst Fuchs versucht mit seinen großflächigen Ölbildern, eine Verbindung von Raum und Bild herzustellen, sodaß dadurch die Kapelle auch architektonisch eine völlig neue Wirkung erzielt. Mit Hilfe der Technik der Lasurmalerei wird auch eine besondere Tiefenwirkung bei den Bildern erreicht. Strenge Geometrie und Ornamentik prägen das Kunstwerk. Die farbenfrohe Buntheit der Ölgemälde erscheint zunächst ungewohnt. Vielleicht haben wir aber gerade in den letzten Jahren angesichts der gegenstandslosen, abstrakten und aktionistischen Kunst es verlernt, solche kraftvollen Bilder direkt auf uns wirken zu lassen.

Selbst den wellenförmigen Fußboden aus Carrara-Marmor, der vom Altar aus Heil bringend durch die Kapelle schwappt, hat er entworfen. Monsignore Mairitsch: “Er hat das Muster in einem Wiener Gasthaus einfach auf ein Schnäuztüchl gezeichnet“. Der Apokalypse von St. Egid hat solches Genie nicht geschadet. “Es ist manches sogar besser geworden, als ich es mir vorgestellt habe“, freut sich Fuchs, der immerhin Salvador Dali zu seinen Fans zählen durfte. Ebenso wie den Pariser Schriftsteller Julien Green, der sich nicht zufällig in St. Egid zur letzten Ruhe legte.

Universitätsprofessor Bernd Lötsch, persönlicher Wegbegleiter von Künstler Fuchs, sagte, dass Klagenfurt um dieses Geschenk zu beneiden sei. Fuchs habe ursprünglich mit diesem großen Plan, eine Kapelle künstlerisch zu gestalten, alle überfordert, die Kirche ebenso wie seine große Familie. Denn Fuchs habe die Arbeit ehrenamtlich ausgeführt. Der großzügige Künstler werde sicherlich einen bleibenden Platz in der Geschichte der Moderne haben, so Lötsch. Ein Stück Kunstgeschichte sei nun in Klagenfurt geschrieben worden.

Seine Kapelle in St. Egid wird ab kommenden Montag probeweise von 9 bis 12 Uhr zugänglich sein.
Am Sonntag ist sie ab 13 Uhr geöffnet.
Nähere Infos: 0463/511308 od. http://st-egid-klagenfurt.at

DonateDonate to the Fantastic Visions project.

Leave a Comment

You must be logged in to post a comment.

Nächstes und vorheriges Artikeln

Präsentierte Peter Gric