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März 9th, 2013 by Leo Plaw Zulassung   

Der Engel des Wunderlichen. Schwarze Romantik von Goya bis Max Ernst

Carlos Schwabe (1866-1926), Der Totengräber und der Todesengel, 1900

Carlos Schwabe (1866-1926),
Der Totengräber und der Todesengel,
1900

In den 1930er Jahren widmete sich der italienische Schriftsteller und Kunstkritiker Mario Praz (1896-1982) erstmalig der düsteren Seite der Romantik. Um 1760/70 beschäftigten sich zahlreiche Künstler mit der Kehrseite der Romantik, deren übersteigerte, irrationale Verhaltensweisen einen Kontrast zu dem scheinbaren Triumph des Zeitalters der Aufklärung bilden.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildet sich in England die Schauerliteratur heraus, die das Publikum durch ihren mysteriösen und makaberen Charakter begeistert. Die bildenden Künste folgen diesem Beispiel: in ganz Europa wetteifern die schaurigen, grotesken Welten der Maler, Radierer und Bildhauer mit jenen der Schriftsteller: Goya und Géricault führen die absurden Greueltaten der Kriege und Katastrophen ihrer Zeit vor Augen, Füssli und Delacroix illustrieren die Schreckgespenster, Hexen und Dämone von Milton, Shakespeare und Goethe, während C.D. Friedrich und Carl Blechen das Publikum in geheimnisvolle, unheimlich anmutende Landschaften entführen.

Angesichts der Nichtigkeit und Ambiguität des Fortschritts interessieren sich ab 1880 zahlreiche Künstler für die schwarze Romantik. Sie lassen die Mythen wieder aufleben und machen sich die Erkenntnisse der Traumdeutung zunutze, um dem Menschen seine Ängste und Widersprüche vor Augen zu führen: die jedem Menschen inhärente Grausamkeit und Boshaftigkeit, die Gefahr einer kollektiven Degeneration, die beklemmende Wunderlichkeit des Alltags, die in den fantastischen Erzählungen von Poe oder de Barbey d’Aurévilly aufgedeckt wird. So tauchen während der zweiten industriellen Revolution Hexen, grinsende Skelette, unförmige Dämone, lüsterne Teufel, unheilvolle Zauberinnen … auf, die herausfordernd die Desillusion der Gegenwart versinnbildlichen.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Surrealisten die Tiefen des Unbewussten, Traum- und Rauscherlebnisse als Quelle künstlerischer Eingebung verwerten, werden endgültig die realistischen Werte umgestürzt. Zur selben Zeit kann man im KinoFrankenstein, Faust und weitere Meisterwerke der schwarzen Romantik sehen, die nun definitiv das kollektive Unbewusste erfasst. 

Im Anschluss an die Ausstellung im Städel Museum in Frankfurt präsentiert das Musée d’Orsay die verschiedenen Facetten der schwarzen Romantik von Goya und Füssli bis Max Ernst und zu den expressionistischen Filmen der 20er Jahre. Die Schau umfasst eine Auswahl von 200 Werken: Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Filme.

Der Engel des Wunderlichen. Schwarze Romantik von Goya bis Max Ernst

Dauer: 5 März – 9 Juni 2013

Musée d’Orsay
62, rue de Lille
75343 Paris Cedex 07

+33 1 40 49 48 14

www.musee-orsay.fr

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